Liebe Freunde, Unterstützer und Mitglieder,


die letzten Tage und Wochen haben uns einmal mehr vor Augen geführt, an welche kritischen Punkte unser bisheriges Leben gelangen und wie rasch die Grenze zwischen Gesundheit und Krankheit sich verwischen kann.

Innerhalb der lokalen Krisenarbeit war es eine vollkommen neue Erfahrung für uns, Pflegekräfte, medizinisches Assistenzpersonal und Ärzte in den Akutkrankenhäusern vor Ort in die palliativmedizinischen Behandlungsmaßnahmen von Atemnot infolge einer COVID-19 Infektion zu schulen und einzuweisen mit der direkten Folge, dass allen Beteiligten Atemnot als eines der palliativmedizinischen Hauptsymptome sterbender Patienten plastisch vor Augen geführt wurde und der Umgang mit Sterben und Tod noch nahbarer machte. Für viele medizinische Fachkräfte und Akuthelfer in der lokalen Krisenarbeit brachte die Konfrontation mit der Schwere dieser Infektion die Urangst vor der eigenen Gefährdung und Endlichkeit hervor; die Tatsache, dass sowohl in Italien, Spanien wie auch Frankreich Hunderte von Ärzten und Pflegepersonal (darunter in Norditalien insbesondere Hausärzte und Intensivmediziner) an der Erkrankung verstarben, hat diese Ängste weiter geschürt. Hier hat uns  die „therapeutische Ruhe“ aus der Palliativ-und Hospizmedizin ein ganzes Stück weitergeholfen, wieder Gelassenheit und Zuversicht zu verbreiten.

Auf Landkreisebene bleibt festzuhalten, dass in der seit Mitte Februar begonnenen Krisenarbeit ein positives Zusammenrücken aller Beteiligter wie Ärzteschaft, politische Vertreter, Akutkrankenhäuser und Rehakliniken zu verzeichnen ist; neben Notfallbehandlungsplänen, Errichtung stationärer Notfallzentren sowie entsprechende Sauerstoffversorgungskonzepte folgten viele einem Aufruf in den sozialen Netzwerken, um sich vor Ort in die medizinischen Versorgung einzubringen.

Die Gesamtsituation hat einmal mehr die Notwendigkeit der Errichtung eines stationären Hospizes in Nassau unterstrichen, um Sterbenden und ihren Angehörigen den Ort zu geben, in Würde und unter Linderung schwerer Krankheitssymptome Abschied nehmen zu können.

Der gesamte Vorstand wünscht Ihnen die oben geschilderte Ruhe und Gelassenheit, durch die nächsten Tage und Wochen zu gehen, ohne den Mut zu verlieren. Man kann als Palliativmediziner nur dann seinen Patienten hilfreich zur Seite stehen, wenn man intensiv und über einen langen Zeitraum sich auch mit der eigenen Endlichkeit befasst und den letzten Weg vieler Patienten begleitet hat. Diese Zuversicht wünsche ich

Ihnen alle, bleiben Sie gesund

Ihr
Dr. Martin Schencking
Vorsitzender


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