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Stationäres Hospiz soll in Dienethal entstehen

Nach Bürger-Info: Ratsmehrheit steht Bauvoranfrage positiv gegenüber

M Dienethal. Bislang hat der Förderverein Stationäres Hospiz Rhein-Lahn immer wieder die Stadt Nassau als Standort für die geplante Einrichtung zur Sterbebegleitung genannt. Der Einzug ins Marienkrankenhaus ist jedoch durch die Insolvenz der Klinik und den Verkauf der Immobilie vom Tisch. Seither ist ein Neubau im Stadtgebiet im Gespräch gewesen. Doch seit einiger Zeit scheint man auch eine Alternative in der kleinen Nachbargemeinde Dienethal zu verfolgen.Das Gebäude soll auf einem freien Grundstück direkt an der Ortsdurchfahrt entstehen. In einer Baulücke zwischen zwei Wohngebäuden ist der Neubau mit einer Grundfläche von 28 mal 21 Metern geplant. Die Bauvoranfrage lag dem Gemeinderat bereits für die Sitzung am 7. September vor. Dieser sollte Art und Nutzung des Baukörpers beurteilen sowie darüber befinden, ob das Gebäude in die Umgebung passt. Doch vor einer Abstimmung wollten die Ratsmitglieder die Bürger zu dem Vorhaben hören. Das Thema wurde in die Oktobersitzung des Gremiums vertagt. Einen Tag zuvor wurden die Dienethaler im Dorfgemeinschaftshaus über die Vorstellungen des Fördervereins Stationäres Hospiz informiert.

Vergebliche Suche in Nassau

Das Interesse am Thema war groß. Rund 40 der 230 Einwohner des Ortes nahmen an der Veranstaltung teil, zu der Ortsbürgermeister Andreas Ritter eingeladen hatte. Für den Förderverein stellte der Vorsitzende Dr. Martin Schencking das Projekt vor. Auch Vertreter der Stiftung Scheuern sowie der G. und I. Leifheit-Stiftung waren zugegen. Während man seit der Gründung des Vereins im Jahr 2016 viel für die Finanzierung des Hospizes, für das man 3,5 bis 4 Millionen Euro benötige, erreicht habe, sei allein die Frage nach dem Standort noch unbeantwortet, legte Dr. Schencking dar. „Vergeblich wurde über vier Jahre in Nassau nach einer geeigneten Immobilie beziehungsweise nach einem Grundstück gesucht“, heißt es nun in einer Pressemitteilung des Fördervereins anlässlich der Präsentation und der Ratssitzung in Dienethal. Nachdem sich vor allem die Möglichkeit, im Marienkrankenhaus unterzukommen, zerschlagen habe, sei nun im zwei Kilometer von Nassau entfernten Dienethal „das bislang – aus hospizlicher Sicht – geeignetste Grundstück gefunden“, wird Dr. Schencking zitiert.

Sowohl der Vorstand des Fördervereins als auch die Mitglieder der zukünftigen Betreibergesellschaft haben sich demnach einhellig für den Standort Dienethal ausgesprochen. Man wünsche sich die Unterstützung des Ortes, so der Hausarzt, Internist und Palliativmediziner aus Bad Ems. Dem Förderverein zufolge soll sich das geplante Gebäude gut in die Geografie der Talstraße einpassen. Dieser beschreibt das Haus wie folgt: „Die Höhe des 28 mal 21 Meter großen Baukörpers soll vom mittleren Straßenniveau aus gemessen acht Meter betragen – inklusive eines Staffelgeschosses. Es ist eine komplett barrierefreie, ebenerdige Etage mit acht Patientenzimmern, Angehörigenzimmer, Raum der Stille, Pflegeräumen sowie einem offenen Wohn-Essbereich mit knapp 800 Quadratmetern geplant.“

Der Pressemitteilung des Fördervereins zufolge wurden von Teilnehmern der Informationsveranstaltung vor allem Bedenken wegen eines möglicherweise steigenden Verkehrsaufkommens und der Parkplatzsituation an der Ortsdurchfahrt geäußert. „Wieder aufgegriffen wurde die Anregung aus der Infoveranstaltung, Autos der Mitarbeiter und Anlieferungsfahrzeuge über eine Zuwegung nach unterhalb der Talstraße zu führen und in dem abfallenden Gelände dort direkt am Gebäude mehr Parkplätze vorzusehen“, heißt es seitens des Vereins.

Nur eine Gegenstimme

Der am Tag nach der Info-Veranstaltung tagende Ortsgemeinderat hat die Bauvoranfrage nun positiv beschieden. Vier Ratsmitglieder stimmten dafür, ein Ratsmitglied war dagegen, eines enthielt sich der Stimme. Der Förderverein sicherte den Dienethalern zu, Bedenken und Anregungen der Bürger mitzunehmen und eng mit der Ortsgemeinde zu kooperieren. „Gegenüber dem Gemeinderat bekräftigte Vorstandsmitglied Rainer Lindner die Absicht, die Ortsgemeinde bei der weiteren Bauplanung frühzeitig einzubeziehen“, heißt es in der Pressemitteilung.

In Dienethal machte Dr. Schencking deutlich, warum er ein Hospiz im Rhein-Lahn-Kreis für erforderlich hält. „Wenn es um das Thema Sterben geht, wünschen sich alle, möglichst 90 bis 100 Jahre alt zu werden und dann irgendwann einmal morgens nicht mehr die Augen aufzumachen“, sagte er. Doch ein sanfter Tod sei ein Wunschtraum, der nur für einen geringen Prozentsatz der Menschen in Erfüllung gehe. Die meisten der 80- bis 90- Jährigen seien chronisch und weit fortgeschritten erkrankt. Hinzu kämen zunehmend immer mehr junge Patienten beispielsweise mit schwersten Krebserkrankungen. Die Palliativmedizin könne Patienten, die mit ihrem absehbaren Tod rechnen müssen, durch ärztliche und pflegerische Maßnahmen helfen, Leiden zu verringern sowie Schmerzen und Atemnot zu nehmen.In einem Hospiz geht es um die bestmögliche Versorgung von Sterbenden, damit ein menschenwürdiges Ende stattfinden kann, erläuterte Dr. Schencking. Das auf die Akutversorgung ausgelegte Krankenhaussystem sei mit der Versorgung sterbenskranker Patienten häufig überfordert

 


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